Geschichte der Karnevalsfreunde Manfort
Ehe es eine Stadt Leverkusen gab, waren die Karnevalsfreunde Manfort schon da. Die Gesellschaft wurde am 11.11.1930 aus den Reihen des Manforter Kirchenchores "Cäcilia" gegründet.
Den damaligen Gründergeist könnte folgendes Zitat über den rheinischen Karneval widerspiegeln:

Löblich sei ein tolles Streben
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Dass noch Heiterkeit im Leben
Gibt dem kurzen Rausch Gewinn

Johann Wolfgang von Goethe, Weimar Februar 1826

Wie zu erkennen ist, befinden sich die Karnevalsfreunde Manfort mit ihrem jecken Tun in bester Gesellschaft!

Erste Sitzungen erfolgten im Winter 1929/30. Gefeiert wurde im Manforter Hof (Graue) und im Lindenhof, den Festsälen im "Mutzbachrevier", dem Manforter "Grüngürtel".

Unter den Präsidenten Jupp Küsters (1930-1936) und Bernhard Obladen (1936-1952) wuchs die Gesellschaft schnell zu einer festen Freundesgruppe zusammen, deren Sitzungen und Bälle großen Anklang bei der Manforter Bevölkerung fanden. Die Veranstaltungen waren stets ausverkauft.
Neben Kölner Karnevalisten traten die Mitglieder Moritz Kürten und Willi Ufer als Duett und auch als Einzelredner sowie das Damentanzkorps mit gutem Erfolg auf.

Nach den schrecklichen Kriegsjahren begannen die Karnevalsfreunde 1946 in einer wirtschaftlich schweren Zeit mit Mut und großem persönlichen Einsatz, den Manfortern wieder Freude zu vermitteln. Die Menschen nahmen trotz der Alltagssorgen das Angebot karnevalistischer Veranstaltungen an. Die Sitzungen waren nicht nur gut besucht, sondern auch Stätte der Vermittlung von Freude und Lebensmut, ein Lichtblick im doch so tristen Alltag.

Nach 17 jähriger erfolgreicher Tätigkeit als Präsident legte Bernhard Obladen als Siebzigjähriger 1952 sein Amt nieder. Willi Wirtz übernahm die Präsidentschaft einer Gesellschaft, die sich bereits einen guten Namen über die Grenzen Leverkusens hinaus geschaffen hatte. Karnevalistische Traditionen wurden gepflegt - neue Impulse gegeben. In eigener Arbeit wurden Bühnengestaltung und Saaldekoration ausgeführt. Auf dem närrischen Podium traten Gesellschaftsmitglieder als Büttenredner, Sänger oder im Tanzkorps auf. Der Erfolg blieb nicht aus. Manforter Eigengepräge wurde ein Markenzeichen der Karnevalsfreunde.

Wolfgang Obladen, der als Büttenredner, Liedersänger und Literat schon in jungen Jahren vielseitige karnevalistische Erfahrungen gesammelt hatte, löste 1957 Willi Wirtz als Präsident ab. Dieser stellte sich als Senatspräsident in der Ablösung von Josef Traut neuen Aufgaben mit viel Erfolg.

Die Mitgliederzahl der relativ kleinen Gruppe der Karnevalsfreunde wuchs von Jahr zu Jahr. Karnevalistische Auftritte der Gesellschaftsmitglieder nahmen leider langsam ab. "Karnevals-Profis" beherrschten Zug um Zug mehr Bütt und Podium. 1952 erweiterten die Karnevalsfreunde die traditionell gestaltenden Aktivitäten durch ein jährlich wechselndes Motto. Dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch die Session. Bei der Gestaltung des Ordens, des Bühnenbildes und oft auch des Gesellschaftswagens nimmt die KM-Bühnen- und Wagenschmiede das Motto ebenso auf, wie der Elferrat, der sich bei den Sitzungen entsprechend verkleidet und dabei so manches Original auf die Schippe nimmt. So entstanden bis heute über fünfundfünfzig verschiedene Bühnenbilder, deren Idee auch auf die Wagen im Karnevalszug und die Fußgruppen übertragen wurden. Die alte Devise "Alles wat mer künne, dummer selvs!" blieb dabei aufrecht erhalten. Dank der Bereitschaft von Senatoren einen großen Kellerraum sowie Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen, konnte dieses "Gemeinschaftswerk" der Karnevalsfreunde bis auf den heutigen Tag mit Erfolg durchgehalten werden.

Im Jahr seines im rheinischen Karnevals herausragenden 40jährigen Präsidentschaftsjubiläums übergab Wolfgang Obladen 1997 das Ruder des "Narrenschiffs" der Karnevalsfreunde an seinen Nachfolger Karl Heinz Walter, der in der Jubelsession 1999/2000 unter dem Motto "Nä wie es dat schön: 70 Johr nur jecke Tön" mit den Karnevalsfreunden ein fantastisches Gesellschaftsjubiläum feiern konnte.

Inzwischen sind viele weitere Jahre der närrischen Brauchtumspflege ins Land gegangen. Von einigen verdienten Wegbereitern mussten wir uns in der Zwischenzeit verabschieden. Sie schauen uns jetzt, da sind wir uns sicher, mit großem Wohlwollen und manchem Schmunzeln vom "Himmelspöözche" zu und freuen sich mit uns über einigen jugendlichen Zuwachs. Unsere gerade für junge Familien attraktive Lappenclowngruppe ist inzwischen auf über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewachsen. Sie bildet bei unserem jährlichen Auftritt im Wiesdorfer Fastelovendszoch seit 40 Jahren "de Spetz" der Karnevalsfreunde Manfort.

Seit dem Jahre 1990 wird im "Dom zu Manfort" (Pfarrkirche St. Joseph) von den Karnevalsfreunden die "Mess in kölscher Sproch" gestaltet, die unter den Freunden der Mundart große Anerkennung gefunden hat. Sie wurde damals als Dankmesse zum 60-jährigen Gesellschaftsjubiläum gefeiert und ist heute in ununterbrochener Tradition der Gesellschaft ein ganz besonderes Anliegen. Bis zu seinem Tod im Jahre 2002 zelebrierte unser Pfarrer Mgsr. Dieter Froitzheim diese Messe. Inzwischen steht uns seit vielen Jahren Stadtdechant Heinz Peter Teller zur Seite und unterstützt uns als Zelebrant und Prediger. Und mit Gerhard Stumpf haben wir seit der Session 2010/2011 wieder einen Felddiakon.

Die Karnevalsfreunde gehen in die Zukunft mit etwa 100 aktiven und inaktiven Mitgliedern sowie Senatoren. Sie fühlen sich den Traditionen ihrer Gründungsväter verpflichtet und stellen sich den Herausforderungen unserer Zeit. Dabei arbeiten sie in freundschaftlicher Verbundenheit zusammen an dem Ziel:

Freud han un Freud jevve, dat es uns Levve

Quelle: Gerd Holthaus & Karl Heinz Walter